Heinrich Moser

Uhrenfabrikant und Industriepionier

geb. 12. Dezember 1805 in Schaffhausen – gest. 23. Oktober 1874 in Badenweiler (D)

 

Heinrich Moser entstammte einer Uhrenmacherfamilie; Vater und Grossvater waren bereits Stadtuhrenmacher von Schaffhausen gewesen. Er durchlief bei seinem Vater eine Uhrenmacherlehre von 1820-1824, der von 1824 – 1827 eine Meisterlehre in Le Locle folgte. Danach lenkten ihn seine Schritte ins zaristische Russland. Ein glücklicher Umstand bewirkte, dass er bei Hof und der gehobenen Gesellschaft schnell bekannt wurde: es war ihm gelungen, ein dem Zaren gehörendes Uhrwerk wieder in Stand zu stellen.

Ein Jahr nach seiner Übersiedlung nach Russland eröffnete Moser in St. Petersburg seine Uhrenhandelsfirma H. Moser & Co. (heute: H. Moser & Cie.), und im Jahr darauf – 1829 – errichtete er in Le Locle eine Produktionsstätte für seine Uhrenkreationen. Nach dem Tod seines Vaters im selben Jahr bewarb sich Mosers Mutter für Heinrich vergeblich um die Nachfolge als Stadtuhrenmacher. 1848 kehrte er als vermögender Mann in die Schweiz zurück. Inzwischen hatte Heinrich in Neuhausen am Rheinfall den «Schwanenfels» mit knapp 7 ha Land erworben, den er abreissen liess, um nach eigenen Ideen durch den Architekten Bernhard Simon das Schloss «Charlottenfels» zu errichten.

Im Jahre 1831 hatte er sich mit Charlotte Mayu verheiratet, die ihm vier Töchter und den Sohn Henri schenkte. Sie verstarb 1850 als Folge eines Kutschenunfalls. 1870 ehelichte Heinrich die um 43 Jahre jüngere Baronin Fanny von Sulzer-Wart, die ihm zwei weitere Töchter – Fanny und Mentona – gebar.

Da die Wirtschaftskraft der Region Schaffhausen im Jahre 1848 schwach war, setzte Heinrich Moser – Patriot und Pionier zugleich – sein Kapital zur Ankurbelung der Konjunktur ein: so entstanden 1953 u.a. die Schweizerische Waggons-Fabrik (heute SIG Holding) sowie die sog. „Rheinfallbahn“ zwischen Schaffhausen und Winterthur. 1868 unterstützte Heinrich Moser F.A. Jones ideell, finanziell und infrastrukturell bei der Errichtung der International Watch Company (heute: IWC). Sein bekanntestes Meisterstück jedoch war zwischen 1863 und 1866 der Bau eines einzigartigen Wasserkraftwerkes über den Rhein, nachdem er bereits 1851 einen Rheinkanal errichtet und eine Turbine eingesetzt hatte, die 80 PS lieferte. Er finanzierte dieses Grossvorhaben überwiegend aus seiner eigenen Tasche. Dessen Nutzung verhalf der Region Schaffhausen zu nachhaltigem wirtschaftlichem Aufschwung.

Heinrich Moser kannte nebst Erfolgen auch Schicksalsschläge. Dass sein Sohn Henri nicht in seine unternehmerischen Fusstapfen treten wollte, bedeutete für den Vater die wohl grösste Enttäuschung in seinem Leben.

Heinrich Moser war eine starke, mithin ambivalente Persönlichkeit: als Patron hochgeschätzt, als Mensch jedoch wenig konsensfähig. In der Region Schaffhausen bewirkte er durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, dass viele Menschen nach langer Zeit aus der Armut fanden. Er war Philanthrop und blieb trotz seiner ständigen Querelen mit der Obrigkeit stets ein Patriot.